Präsenzveranstaltungen versus virtuelles Miteinander

Ein Plädoyer für Präsenz-Veranstaltungen in Coaching & Persönlichkeitsentwicklung

Liebe Mitglieder, Interessierte und Freunde,

hört man heute einigen Seminaranbietern, Coaching-Instituten und Weiterbildern zu,
so fällt ein zunehmender Stellungsbezug für Onlineunterricht und für digitale
Seminar- und Fortbildungsangebote auf. Ganze Branchen haben, von den Vorgaben
und Notwendigkeiten der Zeit getrieben, ihre Seminarangebote in den Zeiten von
Pandemie und Kontaktbeschränkungen auf Onlinedurchführungen umgestellt und
rings um das Thema Online-Weiterbildung und -Ausbildung haben sich in kurzer Zeit
zahlreiche neue Anbieter formiert. Mehr aus der Not als aus Überzeugung geboren,
stellten viele renommierten Weiterbildungs- & Coaching-Institute Ihr Angebot und
Marketing um und gewinnen heute ihre Kunden mit guten Argumenten zunehmend
für eine Teilnahme an digitalen Formaten.
Auch das von mir geführte Coaching- und Fortbildungsinstitut musste aufgrund der
pandemiebedingten Schutzregelungen in den Jahren 2020 und 21 Veranstaltungen
und Seminare absagen oder immer wieder verschieben. Während die allermeisten
Institute ihre jeweils angemeldeten Teilnehmer mit einer Onlineversion der gebuchten
Veranstaltung versorgten und auch zukünftige Interessenten auf dieses Vorgehen
vorbereiteten, haben wir uns in den genannten Kontexten bewusst gegen eine
digitale Durchführung entschieden.

Was spricht für Präsenz-Formate in den Kontexten Training, Fortbildung,
Persönlichkeitsentwicklung und Coaching?

Ich stimme zu, dass digitale Formate in diversen Themenbereichen, wie etwa in
Fachfortbildungen für Unternehmensmitarbeiter, in technischen Fernstudiengängen
oder in klassischen Führungskräfteseminaren tatsächlich eine geeignete, effektive
und Zeit sparende Alternative zur Präsenzveranstaltung sein können und, wie wir
bereits mehr und mehr erfahren, zukünftig auch zunehmend sein werden. Ich bin
gleichwohl der Überzeugung, dass in Themenfeldern mit einer hohen
Potentialaktivierung-Energie, wie beispielsweise Persönlichkeitscoaching,
persönliche oder spirituelle Entwicklung oder Ausbildung zum Coach,
Familienaufsteller, Supervisor, Erlebnispädagogen, etc., Onlineformate stets nur die
zweite Wahl darstellen können und in keinem Fall an die Intensität und Wirkkraft
einer Präsenzveranstaltung heranreichen. Diese Aussage treffe ich vor dem
Erfahrungshorizont meiner Jahrzehnte langen Erfahrung als Referent, Ausbilder und
Seminarleiter.

Die wichtigsten Argumente:

Ich führe nachfolgend vier beobachtbare Dynamiken an, die ich als ausschlaggebend
unterschiedsbildend gegenüber dem Arbeiten im virtuellen Raum erachte und die
sich im physischen Zusammenkommen zwischen den Teilnehmenden gravierend
deutlicher zeigen als im Zusammenkommen von Teilnehmenden in Online-Räumen.

Was wir in unseren Evaluationen und Teilnehmerbefragungen regelmäßig
rückgemeldet bekommen und in Veranstaltungen immer wieder sehen, erleben und
messen, ist:

  1. wenn Menschen physisch zusammenkommen und dort ihre im jeweiligen
    Angebotsrahmen erlebbaren Selbsterfahrungsprozesse und
    Gruppendynamiken erfahren, so erzeugt dies messbare physische
    Veränderungen. Menschen fühlen sich anders als vorher. Sie erleben tiefere
    und intensivere Emotionen. Sie sind bewegt, berührt, lachen, weinen… Dieses
    physische Unterschieds-Erleben erzeugt eine andere Wirklichkeit. Und somit
    Veränderung.
  2. Das Gefühl, der jeweiligen Ausbildungs- oder Seminargruppe physisch
    anzugehören, führt zu einem Heraustreten aus der eignen
    Persönlichkeitszone. Eine eventuell vorher als Separation erfahrene
    Wirklichkeit wird verlassen und kann so transformiert werden. So wird das
    Erleben von Einheit möglich – schlichtweg durch das jeweilige
    Zugehörigkeitserleben und die damit verbundenen
    Zugehörigkeitsentscheidung. Dieser Effekt ist zwar bedingt auch bei
    Onlineformaten verifizierbar, jedoch ist dieser dann lediglich bei Gruppen, die
    sich in ihrer Zusammensetzung bereit kennen, deutlicher messbar und bei
    weitem nicht so ausgeprägt wie bei physisch zusammenkommenden
    Menschen.
  3. Wir Menschen haben nicht nur die im virtuellen Raum angesprochenen Sinne
    des Sehens und Hörens. Wir nehmen noch viel mehr wahr (über das Riechen,
    Schmecken, Spüren etwa sowie über unsere intuitiven Eindrücke). Mit allen
    Sinnen werden andere Wirklichkeiten erzeugt als im Online-Unterricht.
  4. Die im konkreten Zusammensein mit Menschen, die dieselbe Intention teilen,
    entstehende Synergie erzeugt ein kollektiv intensiveres Erleben. Etwas salopp
    könnte man zu dieser Erlebnisveränderung sagen: „der Himmel ist blauer, das
    Gras ist grüner, der Apfel süßer…“ Damit einher geht häufig ein mit einem
    intensiveren Lebensgefühl verbundenen Sein im gegenwärtigen geteilten
    Moment.

Es gibt zahlreiche weitere messbare Effekte, die hier argumentativ für die These
angeführt werden könnten: das physische Zusammensein von Teilnehmerinnen und
Teilnehmern, etwa in Coachingausbildungen, in Aufstellungsseminaren oder in
Teamentwicklungsseminaren, ist messbar förderlicher für die angestrebten Lern-,
Entwicklungs- und Veränderungsprozesse als jedes mögliche Onlineformat.

Natürlich ist dies mit einem höheren Aufwand und mit höheren Kosten verbunden.
Jedoch lohnt sich dieser Mehraufwand für alle Beteiligten spürbar: sowohl für
Teilnehmende als auch für Anbietende.

Herzliche Grüße aus Landau 

Jens Richter

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